Die Gier nach dem Erfolg

Spitzenspiele sind immer etwas Besonderes im Leben eines Teamsportlers. Dabei ist es vollkommen egal ob man in der Bundes- oder Kreisliga antritt. Es geht um einen Titel, die Erarbeitung von Respekt und den Lohn für die gezeigte Leistung im direkten Aufeinandertreffen der Spitzenmannschaften, auch wenn das Ergebnis nüchtern betrachtet nur in einer kleinen Tabelle auf einem Stück Papier sich wiederfindet. Diese Spieltage sind richtungsweisend und lassen erahnen wer am Ende der Saison mit Sekt oder eben mit Selters die Halle verlassen wird. Vor einer solchen Herausforderung standen am vergangenen Freitag die Spremberger Spitzbuben. Gegen den Tabellendritten und –vierten aus Forst sowie Cottbus mussten mindestens drei, am besten jedoch fünf, Punkte erzielt werden, um im Titelkampf gegen die parallel spielende WSG „Am Fließ“ den Sieg aus eigener Kraft davonzutragen. Denn die fast reine weiße Weste der „Fließer“ ließ, bei allem Optimismus, die Hoffnung auf eine Niederlage ihrerseits kaum zu.

Im ersten Spiel sahen sich die Spremberger der jungen Mannschaft aus der Kreisstadt gegenüber. Durch die fehlende Konstanz über die komplette Saison, bestand für die guten Techniker nur noch eine theoretische Chance auf die Meisterschaft. Doch gerade diese wollte man nutzen. Bis zum Stand von 8:8 waren beide Teams auf Augenhöhe und schenkten sich weder im Angriff noch in der Abwehr nichts – ein echtes Topspiel. Umso verwunderlicher kam es zum Bruch im Spiel der Rosenstädter. Eine unglaubliche Serie von zehn aufeinanderfolgenden Aufschlägen durch Marko Dräger brachte den Spitzbuben einen uneinholbaren Vorsprung und somit einen 25:21 Satzgewinn. Im zweiten Durchgang mussten die Spremberger zwar den ersten Ball abgeben, aber dafür sorgte der darauffolgende Spielzug für einen Moment der Stille auf dem Spielfeld. Mit einer wunderschönen Staffel vollendete Christian Scharoba den wohl besten Angriff der Spitzbuben. Leider hielt das Glücksgefühl nicht lang an, denn der Gegner reagierte seinerseits ebenfalls mit guten Kombinationen und setzte sich Punkt für Punkt von den Asahi-Spielern aus Spremberg ab. Obwohl Mitte des zweiten Satzes ein Aufbäumen der Spitzbuben spürbar wurde, konnte das 25:21 für den TV Forst nicht verhindert werden. Der Tiebreak musste die Entscheidung bringen. Dort ließen die Spitzbuben ihre ganze Erfahrung spielen und mit einem sicheren 15:10 nichts anbrennen.

Nach den ersten zwei Punkten des Tages ging es in ein ebenso intensiv erwartetes Spiel gegen den HSV Cottbus. Um optimale Voraussetzungen für das Saisonfinale zu schaffen, musste in dieser Begegnung unbedingt ein 2:0 Erfolg her. Demzufolge hochmotiviert gingen die Spremberger in diese Partie. Enttäuscht musste der Cottbuser Anhang feststellen, dass der HSV denselben Antrieb nicht aufbringen konnte. Anders ist der desolate Satzverlust mit 7:25 nicht zu erklären. Mit diesem Erfolg im Rücken ließen die Spitzbuben die Zügel im zweiten Satz etwas lockerer. Das spürten auch die Cottbuser und witterten ihre Chance zur Spielwende. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Match, welches auch das Prädikat Spitzenspiel verdiente. Bis zum 21:21 hatten die Cottbuser die Nase vorn und das Spiel scheinbar unter Kontrolle, doch die ungebrochene Gier nach Erfolg brachte die Spitzbuben wieder in die Siegesspur. 26:24 und drei wertvolle Punkte standen am Ende des zweiten Satzes auf der Habenseite der Spremberger.

Die Spitzbuben hatten somit ihre Hausaufgaben für das Finale am letzten Spieltag gegen den Tabellenzweiten erledigt. Doch wie sah es beim großen Kongruenten aus? Jeder in der Halle rechnete mit zwei klaren Siegen der WSG „Am Fließ“, schließlich hatten sie sich selbst das große Ziel des Titelgewinns nach zwei Vizemeisterschaften (2014 und 2015) auferlegt. Bis zum 19.02.2016 waren sie als einzige Mannschaft ungeschlagen und damit klarer Favorit. Doch mit der Niederlage im Februar schwanden scheinbar die Kräfte und der Glaube an sich selbst. Zeitgleich zu den Spielen der Spitzbuben bahnte sich die Sensation der Saison an. Beide Spiele wurden durch die WSG „Am Fließ“ 1:2 verloren. Der Vorsprung des KSC Asahi wuchs somit auf vier Punkte. Am letzten Spieltag (19.03.2016) genügt den Spremberger Spitzbuben ein Sieg über die Reserve des Kolkwitzer SV oder ein Satzgewinn gegen die WSG „Am Fließ“, um die dritte Meisterschaft in Folge einzufahren. Dieser klare Vorsprung nötigte einigen Gegner bereits im Vorfeld der kommenden Partien die ersten Respektsbekundungen und Glückwünsche ab. Aber die Spitzbuben sind gewarnt. Noch deutlich sind die Erinnerungen an das Jahr 2014, als eben die WSG „Am Fließ“ bis zum letzten Spieltag auf Platz eins stand und der Titel im letzten Spiel durch eine Niederlage gegen die WSG Buckow doch noch verloren ging.

Für die Spitzbuben spielten: F. Richter, M. Szymanski, T. Steffin, C. Scharoba, M. Hinz, M. Branzko und M. Dräger (v.l.n.r.)

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